„Willkommen, liebe Gäste“ Show-Opener – Ideen zur Einstudierung
Dieser Song ist als Show-Opener ein Geschenk: Er bringt Publikum und Sängerinnen sofort in Stimmung – und das gleich zu Beginn eines Konzerts.
Wenn ihr ihn singt und an der einen oder anderen Stelle festhängt, findet ihr hier ein paar konkrete Impulse. Nehmt euch einfach das heraus, was für euch passt – und macht den Rest auf eure eigene Weise.
Die Ebenen des Stücks
Das Stück hat mehrere Ebenen:
1. Töne und Harmonien
2. Rhythmus
3. Gestaltung der Sprache
4. Textverständnis und Ausdruck
5. Szene und Sprechteile
6. Choreografie
Das ist eine ganze Menge. Und auch wenn sich der Song leicht und fluffig anhört (und später auch so wirken soll), braucht es ein Stück Weg dorthin.
Der Grund: Diese Ebenen greifen nicht sofort ineinander.
Kaum sitzt das Timing der Sprecheinwürfe, stolpert man wieder in den Harmonien. Oder die Töne sind weg – aber die Choreo läuft.
Das ist völlig normal bei szenischen Liedern. Es braucht einfach etwas mehr Zeit, als man vielleicht gewohnt ist.
Hinweis: Zu diesem Song gibt es Teach-Tapes – also von mir eingesungene Aufnahmen für jede Stimme.
Wenn euer Chor zu Hause übt, ist das eine enorme Hilfe:
Erst mit der eigenen Stimme mitsingen, später zu einer anderen wechseln. Das trainiert ungemein.
1. Töne und Harmonien
In der Melodie gibt es einige Tonsprünge, die nicht „von selbst“ kommen. Hier hilft nur: langsam üben – und dann Schritt für Schritt schneller werden.
Zum Glück wiederholt sich vieles. Wer sich hier Zeit nimmt, profitiert später doppelt.
Mein Tipp: Verlangsamen.
Die App „Music Speed Changer“ hat sich dafür sehr bewährt. Dort könnt ihr Songs (z. B. Teachtapes oder Playbacks) langsamer abspielen und schwierige Stellen loopen.
Bei Gunthers Arrangements liegen die Stimmen oft eng aneinander. Das klingt schön, ist aber für manche ungewohnt – man rutscht schnell in eine andere Stimme. Deshalb: langsam üben und die Akkorde bewusst hören.
Ich arbeite am Anfang gern mit größeren Abständen zwischen den Stimmen – und schließe diese Lücken erst, wenn Sicherheit da ist.
2. Rhythmus
Der Rhythmus verführt zum Hoppeln. Damit es wirklich swingt, braucht es:
👉 weichere Konsonanten
👉 Legato
Statt „Die Zeit ist reif“ wird daraus: „diezeidisreif“.
Das fühlt sich erstmal völlig falsch an – ist aber genau der Punkt, an dem es sofort anfängt zu grooven.
Hört euch dazu gern mal Götz Alsmann an. Da kann man wunderbar hören, wie Sprache durch Aufweichung plötzlich swingt.
3. Gestaltung der Sprache
Zusätzlich gilt: Singt so, wie ihr sprechen würdet.
Vor allem kleine, unbetonte Vokale dürfen ruhig verschwinden.
Also nicht:
„vergessen wir die Dissonanzen“
sondern eher:
„vergessnwirdieDissonanzn“
Das bringt sofort mehr Natürlichkeit, Rhythmus und Swing.
4. Textverständnis und Ausdruck
Es hilft enorm, immer mal ein paar Sängerinnen als Publikum hinzusetzen, damit der Chor nicht vergisst, mit diesem zu sprechen und zu kommunizieren. Der ganze Song geht „nach vorn“, direkt zum Zuschauer. Beim Üben vergisst man das manchmal. Wenn möglich, würde ich das Lied später ohne Dirigat singen. Die Attitüde ist die eines Fernsehballetts, in dem jede beweisen möchte, wie gut sie ist. Viel Energie!
👉 Es darf sich völlig übertrieben anfühlen – dann seid ihr genau richtig.
Das Stück lebt von dieser (inszenierten) Selbstüberschätzung – und den kleinen Abstürzen zwischendurch.
Nur Mut. Es kann gar nicht zu viel sein.
5. Szene und Sprechteile
Bei den Sprechteilen zählt vor allem eines: Verlässlichkeit.
Unterschiedliches Timing bringt den Chor sofort aus dem Flow.
Deshalb: mehrere Personen die Sprechparts üben lassen – auch gemeinsam.
Timing und Tempo müssen sitzen.
👉 Wie von der Schallplatte. Immer gleich.
Die Szene entsteht fast von allein – wenn ihr sie im Blick behaltet.
Auch hier: Perspektivwechsel hilft. Setzt euch ins Publikum und schaut euch das Ganze an. Die Ideen kommen dann von selbst.
6. Choreografie
Ja, dieser Song braucht eine Choreo, denn schließlich muss sie am Ende schiefgehen. Das ist der lustigste Teil – auch beim Üben. Gar nicht so einfach, es so aussehen zu lassen, als wäre alles spontan.
Ich würde die Choreo ganz einfach halten und zunächst ohne Fehler üben. Sie darf ruhig etwas steif sein, das macht es noch lustiger.
Mein Vorschlag:
Aufstellung ein- oder zweireihig (oder mehr, wenn ihr viele seid) im Halbkreis oder als lange Reihe(n) parallel zur Bühnenkante. Immer, wenn eine Stimme allein singt, tritt sie einen Schritt vor, spricht das Publikum direkt an und geht wieder einen Schritt zurück.
Im Refrain einfach zwei langsame Ranstellschritte nach rechts, zwei nach links und das Ganze wiederholen.
Zusammen mit den fliegenden Noten, der Szene, den Spracheinwürfen und den „Patzern“ reicht das vollkommen.
Den Seitranstellschritt auch in Takt 34 noch einmal wiederholen (auch wenn es hier nicht der Refrain ist), dann passt das zu dem Sprecheinwurf davor: „Wir fangen nach rechts an.“ Ab Chorus drei dann bis zum Ende den Seitranstellschritt wie gehabt: zweimal rechts, zweimal links.
Pleiten, Pech und Pannen
In diesem einfachen Setting könnt ihr wunderbar ausprobieren, was alles schiefgehen darf – und das gezielt mit den Sprechteilen verbinden.
Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gern.
Und vor allem: Habt Spaß damit!
Alle wissens (SSA)