Chor ist Kunst

Für mich ist Chormusik vor allem eine künstlerische Ausdrucksform.
Gemeinschaft entsteht darin oft ganz selbstverständlich — aber sie ist nicht der eigentliche Zweck des Singens.

Diesen Unterschied fühle ich schon lange, aber es hat Jahre gedauert, bis ich ihn formulieren konnte. Denn ich habe innerhalb einer Szene gearbeitet, in der es oft eher andersherum ist: Gemeinschaft first. Daran ist nichts falsch — es ist einfach ein anderer Ansatz.

Ich bin immer wieder angestoßen und irritiert gewesen, ohne genau zu verstehen, warum. Denn so selbstverständlich es für manche ist, dass Beziehungen innerhalb einer Chorgruppe an erster Stelle stehen, so selbstverständlich ist für mich die gemeinsame Sache.

Ich habe beobachtet, dass daraus große Missverständnisse entstehen können, weil Verhalten gegenseitig falsch gedeutet wird. Wenn ich zum Beispiel mit einer gewissen Ungeduld angemerkt habe, dass ein Song nun wirklich bald auswendig sitzen muss — damit wir endlich mit dem beginnen können, was für mich das Eigentliche ist: der Ausarbeitung der künstlerischen Form — wurde das nicht selten als „Druck machen“ empfunden. Ich wurde gelesen als jemand, der sich durchsetzen will, anderen zu viel abverlangt oder kein Verständnis für private Situationen hat.

Ich kann nicht zählen, wie viele Konflikte daraus entstanden sind, manchmal sogar echte Verwerfungen. Hätte ich früher verstanden, welches grundlegende Missverständnis hier wirksam ist, hätte ich auf beiden Seiten viel Frust verhindern können.

Ich habe außerdem beobachtet, dass es in Gruppen oft beide Typen gibt: Menschen, die vor allem ein künstlerisches Ergebnis erreichen möchten — und Menschen, für die die Gemeinschaft im Vordergrund steht. Nicht selten entstehen genau zwischen diesen beiden Polen Spannungen.

Ich habe mich deshalb entschieden, mich nicht länger in solchen gemischten Gruppen zu verausgaben, sondern von Anfang an klarer zu benennen, worum es mir geht. So können sich diejenigen anschließen, die sich davon angesprochen fühlen.

Denn auch ich brauche und suche Gemeinschaft — aber sie darf fluider, wechselnder und weniger dicht sein. Mit einem gemeinsamen Fokus auf das Ergebnis.

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, vorerst keine festen Gruppen mehr zu betreuen. Stattdessen initiiere ich kleinere Projekte: Musikvideo-Drehs, Mini-Performances oder andere „Kunst-Stückchen“. So kann jede immer wieder neu entscheiden, ob sie diesmal dabei sein möchte.

Auf diese Weise entstehen lockere Gruppen, die ungewöhnlich intensiv, zielstrebig und mit Lust am Detail an einem gemeinsamen Ergebnis arbeiten. Mit Menschen, die sich weiterentwickeln wollen. Die Herausforderungen als Chance begreifen und bereit sind, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen.

Was mir daran besonders gefällt: Die Teilnehmerinnen können beides haben. Ein festes Gruppengefüge in ihren Heimatchören — mit wöchentlichen Proben und allem, was dazugehört. Und zusätzlich eine projektartige, zielgerichtete Zusammenarbeit mit einem kleinen Kollektiv Gleichgesinnter, das sich nach Abschluss eines Projekts wieder auflöst.

Momentan gibt es zum Beispiel eine Gruppe von neun Frauen, die gemeinsam ein Musikvideo zum „Küchentango“ dreht. Es gibt Zoom-Meetings für Besprechungen und Brainstorming, einen Online-Bereich für Fragen und Austausch zwischendurch und am Ende eine gemeinsame Premiere. Jede fügt dem Projekt ihren Teil hinzu — vorbereitet und aufgenommen zu Hause.

Sobald sich eine Gruppe findet, die Lust auf ein nächstes Projekt hat, beginnt eine neue Runde.

Wenn du dich davon angesprochen fühlst, abonniere gern meinen Newsletter. Darüber organisiere ich momentan diese kleinen Kunst-Stückchen. Ich freue mich über jede Neugierige.

Leistung steht hier übrigens nicht im Zentrum — aber die Lust aufs Detail.